Realschüler starten mit Tablet-Unterricht

Es ist ein Pilotprojekt, das Realschulleiter Jens Szabo mit viel Vorfreude am Mittwochmorgen gestartet hat: Alle seine 64 Fünftklässler werden ab sofort mit Tablet-Computern im Unterricht arbeiten. Manch einen Skeptiker kann Szabo beruhigen: Schreiben und Rechnen auf Papier sowie Heft- und Mappenführung ist dennoch weiterhin gefragt.

Es ist ein wenig wie Weihnachten und Ostern an einem Tag: Voller Begeisterung packen die 64 Fünftklässler der Realschule Wedemark an diesem Mittwochmorgen ihre Tablet-Computer aus. Das wilde Losklicken und Loswischen bleibt aber aus – Schritt für Schritt weisen die Experten von „Mobiles Lernen“ die Schüler an den kleinen Computern ein. Vom Anbringen der unverzichtbaren Schutzhülle bis hin zu den ersten Schritten im Internet. Mittendrin steht Schulleiter Jens Szabo: „Ich wollte schon immer eine Tabletklasse einrichten“, betont er. Aber das sei gar nicht so einfach gewesen. Einerseits müssten sich genügend Lehrer finden, die sich auf eigene Kosten die Computer ebenfalls anschaffen und auch umfassend daran schulen lassen. Andererseits müsse auch die Bereitschaft der Eltern vorhanden sein, ihrem Kind für rund 15 Euro im Monat das Gerät zu leasen. Beide Hürden nahm die Realschule: „Wir sind seit sechs Jahren das erste Mal wieder dreizügig“, sagt Szabo. 64 Anmeldungen, darunter drei Inklusionskinder, zählte die Realschule. „Das sind alles Schüler, die auch die IGS hätten besuchen können. Sie haben sich also ganz bewusst für uns entschieden. Das macht uns stolz.“ Nur vier Kinder hatten sich darunter nicht für eine Tablet-Klasse angemeldet. „Wir haben die Eltern angerufen“, erinnert sich Szabo. Dann sei schnell klar gewesen: „Wir machen nicht nur eine, sondern alle drei Fünften zu Tabletklassen.“ Damit alle Schüler mit dem gleichen Gerät ausgestattet sind, hat sich die Realschule für iPads entschieden – diese sind auch bereits an der IGS Isernhagen erfolgreich im Einsatz. „Das ist ein geschützter Raum. Viren werden kein Problem sein“, sagt Szabo. Zudem gebe es bei Apple momentan die meisten Programme für die einzelnen Schulfächer. Die Lehrer haben bereits mit einem Apple-Trainer geübt und treffen sich jetzt regelmäßig, um sich gemeinsam für Anwendungen zu entscheiden. Ab sofort wird sich der Unterricht für die Fünftklässler maßgeblich ändern: Ein Drittel der Unterrichtszeit, so die Planung, sollen die Schüler am Tablet arbeiten. „Es soll den normalen Unterricht nicht ersetzen, sondern es ist ein Hilfsmittel wie ein Taschenrechner auch“, sagt Szabo. Der klare Vorteil: Alle Schulbücher gibt es kostenlos in einer digitalen Bibliothek – die Eltern sparen sich die Anschaffungskosten und auch schwere Schulrucksäcke gehören der Vergangenheit an. Für Familien, die sich die Computer nicht leisten können, gibt es Unterstützung. „Manche Eltern hatten Sorge, dass die Kinder dann nur noch vor dem Computer hängen“, weiß Szabo. Das wird aber nicht so sein: Rechnen, Schreiben, Lesen – all das wird weiterhin auf Papier passieren. Ordentliche geführte Hefte und Mappen, auch das wird weiterhin fester Bestandteil im Schulalltag bleiben. „Aber es gibt beispielsweise ein tolles Vokabelprogramm für Englisch und ein Einmaleins-Spiel, bei dem die Kinder die Höchstpunktzahl erreichen können. Das motiviert zusätzlich.“ Die Schüler dürfen die Tablets mit nach Hause nehmen und auch privat nutzen. Eine Nutzungsvereinbarung, die die Eltern unterschrieben haben, gibt die Spielregeln vor. Per App sollen die Lehrer bald nachvollziehen können, welche Seiten die Schüler gerade aufrufen, um das Spielen im Unterricht zu vermeiden. Und: „In der Pause bleiben die Tablets im Klassenzimmer“, betont Szabo. Die anderen Realschüler sollten nicht neidisch werden – immerhin seien die drei fünften Klassen der Realschule die ersten in der Wedemark, die damit ausgestattet seien. „Alle Schulen schauen gerade, wie das bei uns anläuft“, sagt Szabo stolz. „Wenn es funktioniert, und davon gehe ich aus, werden wir das weiter ausbauen.“

Und wird so ein Tablet in allen Fächern eingesetzt? Theoretisch ja – „selbst beim Sport“, überlegt Szabo. „Da könnte man ja den Basketballwurf filmen und hinterher analysieren, was man besser machen könnte.“

(Quelle: Nordhannoversche vom 18.08.2017, Autorin: Carina Bahl)