Fundstelle1Kaum einer wusste, dass der Schulhof der Realschule schon in den Osterferien saniert werden sollte. Zwar war schon lange klar, dass dies noch in diesem Jahr geschehen solle, nun aber scheint sich die Sache aber noch länger, ggf. auch sehr lange zu verzögern.

Schuld daran ist eine Entdeckung, die nicht wenige als eine geschichtliche Sensation bezeichnen, die demnächst wohl auch überregional für Furore sorgen wird. Anscheinend wurden auf dem Innenhof der Realschule am Montag die Überbleibsel einer römischen Feldschule aus dem dritten Jahrhundert entdeckt.

Es werden Erinnerungen an das Jahr 2008 wach, als man im Wald nahe der südniedersächsischen Kleinstadt Bad Gandersheim am Harz unerwartet römische Spuren einer Schlacht aus dem Jahr 235 n. Chr. entdeckte, obwohl man bis dahin unter Historikern in ganz Europa annahm, dass die Römer nie so weit in den Norden vorgedrungen waren. Der jetzige Fund auf dem Schulhof der Realschule in Mellendorf, etwa 90 km nördlich des Schlachtfeldes am Harzhorn gelegen, passt durchaus in dieses Bild, zeigt möglicherweise aber noch einen tieferen Einblick in das Leben am Rande eines römischen Schlachtfeldes.

FundstückAber langsam: Bauarbeiter stießen gestern Mittag beim Ausheben einer Baugrube überraschend auf Hinterlassenschaften aus der Geschichte unseres Schulhofes. Nur durch Zufall entdeckte Bauarbeiter Lothar H. kurz nach der Frühstückspause die etwa 7 cm große Figur, die auf einmal zusammen mit ein paar alten Tonscherben und einem weiteren länglichen Gegenstand neben seiner Schaufel auftauchte. Erst dachte er an wertlosen Müll, der einstmals von einem Bauer auf sein Feld geworfen oder aus Unachtsamkeit verloren wurde. Bei näherer Betrachtung wurden der Baggerfahrer und seine Kollegen dann aber stutzig und verständigten die Gemeinde, die den Fund nach kurzer Inaugenscheinnahme an das zuständige Landesamt für Denkmalpflege in Hannover meldete.

Von dort wurde zunächst ein kompletter Baustopp verhängt und ein sachkundiger Mitarbeiter hinausgeschickt. Dr. Christian Schliemann konnte wenig später eine kleine Sensation vermelden. Seiner Meinung nach handelt es sich bei der aufgetauchten Statuette um einen deutlichen Hinweis auf eine spätrömische Bildungsstätte: „Wir haben es hier offensichtlich mit einer Figur der jungfräulichen Göttin Minerva zu tun, die bei den Römern als Göttin der Künste und Wissenschaften aber auch des Krieges und des Friedens galt.Wir vermuten schon länger, dass eben solche Figuren in römischen Feldschulen in der Nähe von großen Schlachtfeldern aufgestellt wurden – ähnlich dem Kruzifix, das bekanntlich noch heute in jeder bayerischen Schule an der Wand hängt. Wir gehen nach heutigem Stand davon aus, dass der Besitzer diese Figur hier zwischen ca. 225 und 245 n. Chr. am Rande einer bisher unbekannten Schlacht am Brelinger Berg verloren haben könnte.“


Normalerweise würde man einen Fund dieser Größenordnung und Wichtigkeit geheim halten, bei einem Schulhof, auf dem in wenigen Tagen wieder über 500 Schüler rumtoben sollen, wäre das natürlich nicht möglich gewesen, deshalb hat man sich nun für eine sofortige Veröffentlichung entschieden. „ Die Fundstelle auf dem Schulhof muss nun erst einmal gegen Regen und mögliche Hobbybuddler gesichert und abgesperrt werden, ein regulärer Pausenbetrieb erscheint in den kommenden Wochen daher unmöglich. Unter Umständen muss zukünftig der gesamte Hügel des Campus W noch einmal genauer untersucht werden. Auch einen Abriss einzelner Gebäudeteile halte ich für möglich.“, so der Archäologe weiter, bevor er sich ans Telefon machte, um das weitere Vorgehen mit seinem Amt in Hannover abzustimmen. Unsere Schülerinnen und Schüler müssen wohl auf erhebliche Einschränkungen einstellen.

Natürlich zieht eine solche Entdeckung immer ein gewisses mediales Interesse nach sich, machen Sie sich also in den nächsten Tagen auf das ein oder andere Fernsehteam in Mellendorf gefasst.

Schulleiterin Karen Rotter konnte wegen der Osterferien bisher nur telefonisch erreicht werden, stellte deshalb auch lediglich fest, bisher von solch einer römischen Tradition oder gar göttlicher Unterstützung im täglichen Kampf um die Bildung in Wissenschaft und Kunst nichts bemerkt zu haben, obwohl sich die Fundstelle nur wenige Meter von ihrem Büro entfernt befindet.

Das Fundstück wurde ins Labor nach Hannover zur weiteren Untersuchung gebracht. Sollte sich die Vermutung von Dr. Schliemann bestätigen, müsste nicht nur die römische Geschichte (mal wieder) neu geschrieben werden, man müsste auch das im September anstehende Schuljubiläum völlig überdenken. Die Realschule wäre damit ja nicht erst 50, sondern bereits stattliche 1778 Jahre alt – wenn das kein Grund zum Feiern ist!